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Blacky der Straßenhund

Es war eine kalte dunkle Winternacht. In der Stille der Stadt regte sich ein Schatten. Ein großer schwarzer Hund zog seiner Wege auf der Suche nach etwas essbarem. Er war noch jung und seine Glieder waren schon steif gefroren in dieser frostigen Einsamkeit. Der junge Rüde drückte sich in den Schatten der Straßen, die von den Laternen nicht beleuchtet wurden.

Er war nicht gern gesehen, das wusste er. Ein großer schwarzer Hund ist nicht sehr beliebt. Steine wurden schon nach ihm geworfen, Kinder sind vor ihm in voller Panik weg gelaufen, doch nie hatte er einer Fliege etwas zuleide getan. Die süßen Düfte der Vorweihnachtszeit zogen an seiner Nase vorbei. Kaum wahrnehmbar durch die leisen Schneeflocken, die vom Himmel fielen, setzte langsam das Morgengrauen des 24. Dezember ein. Nach und nach würden sich die Straßen der Stadt wieder mit Menschen füllen.

Er nahm den Geruch von leckeren Würstchen wahr und folgte ihm vom Knurren seines leeren Magens getrieben. Die Spur führte ihn zu einer Fleischerei. Er setzte sich vor den Laden und starrte sehnsüchtig in das Schaufenster, in dem jede Menge Leckereien zu sehen waren. Nach einer Weile entdeckte der Metzger ihn und da er Mitleid für diesen hungrigen Streuner empfand, warf er ihm ein paar Fleischbrocken zu. Nachdem er die Happen dankbar verschlungen hatte, zog er weiter seiner Wege. Einige Stunden später war er am Rande der Stadt angelangt, denn dort war es ruhiger und die Menschen würden ihn nicht verjagen.

Ein leises ungewohntes Geräusch ließ ihn die Ohren spitzen. Witternd reckte er seine Nase in die Luft. Etwas war seltsam. Pendelnd bewegte er sich in Richtung dieses Geräusches bis er die Spitze eines Hügels erreichte. Dort erspähte er am Fuße des Hügels ein seltsam verkrümmtes Bündel im Schnee. Vorsichtig näherte er sich, immer in Deckung versteckt hinter den Büschen. Er konnte fühlen, dass etwas nicht in Ordnung war. Als er näher kam, erkannte er ein kleines Menschlein leise wimmernd vor sich im Schnee liegend. Es war ein kleines Mädchen.

Der Hund vergewisserte sich, dass sonst niemand in der Nähe war und ging langsam und vorsichtig weiter in Richtung des kleinen Mädchens. Eines ihrer Beine lag verdreht. Es war gebrochen. Sie musste schon eine ganze Weile dort liegen, denn ihre Glieder waren schon kalt und das Wimmern nur noch sehr leise und schwach. Der Hund beäugte sie und schnüffelte an ihren Beinen. Instinktiv reagierte er und schmiegte sich zu dem kleinen kalten Körper, um ihn zu wärmen. Er begann ebenfalls leise zu winseln. Dann jaulte er kurz auf und begann laut zu bellen. Er schlug Alarm. Er bellte und bellte bis die Abenddämmerung hereinbrach. Sein verzweifeltes Bellen wurde allmählich heiser.

Doch er gab nicht auf, bis sich plötzlich Gestalten an der Spitze des Hügels tummelten. Als jene Gestalten das Szenario am Fuße des Hügels erkannten, rannten sie los. Ein Krankenwagen wurde gerufen. Panisch wollten die Menschen den großen schwarzen Hund von dem Mädchen wegziehen, doch er ließ es nicht zu. Als die Sanitäter eintrafen und das kleine Mädchen versorgen wollten, ließ er sie gewähren und sie stellten fest, dass sie ohne seine Wärme nicht überlebt hätte. Ungläubig starrten alle zu dem großen schwarzen Hund. Dann sprach einer der Sanitäter: „Der Hund ist ein Held“. Ein anderer in der Menge fügte kopfschüttelnd hinzu: „Ohne sein Bellen hätten wir das Mädchen nicht bemerkt“. Das kleine Mädchen wurde ins Krankenhaus gebracht und die Eltern informiert. Der Hund folgte ihr und wartete vor dem Krankenhaus. Er wartete solange bis das kleine Mädchen endlich mit einem Gips am Bein vor die Tür trat. Freudestrahlend humpelte sie auf ihn zu und schwanzwedelnd stürmte er ihr entgegen.

Es war als würden sie sich schon ein Leben lang kennen. Ein Moment so innig und rührend, dass den Umstehenden Tränen in die Augen stiegen. Freudestrahlend sah das kleine Mädchen zu ihren Eltern auf und fragte: „Können wir ihn BITTE behalten?“. Die Eltern sahen lächelnd zu ihr hinunter: „Nichts würden wir lieber tun, kleine Lucy“. Das kleine Mädchen sah zu dem Hund: „Ich nenne ihn Blacky, mein bester Freund und Lebensretter!“. Von nun an hatte Blacky ein liebevolles Zuhause. Er wurde umsorgt, gestreichelt und die Kinder spielten mit ihm. Seine neue Freundin Lucy ließ er seither nie mehr aus den Augen. Gemeinsam wurden sie erwachsen und die Geschichte von Blacky dem Helden wurde in der ganzen Stadt zur Legende. In diesem Sinne ein frohes Weihnachtsfest.

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